Knaur TB, Oktober 2003
558 Seiten, € 8,90

Klappentext
In einem wohlhabenden Frankfurter Vorort herrschen Entsetzen und Fassungslosigkeit: Die 15jährige Selina ist aus dem Reitstall, in dem sie sich mit Vorliebe aufhielt, nicht nach Hause zurückgekehrt und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Kommissarin Julia Durant und ihre Kollegen stehen vor einem Rätsel, das noch undurchdringlicher wird, als sich herausstellt, dass Selina schwanger war…
Making of
Die Idee zu diesem Roman erhielt ich von einem sehr guten Freund, dessen Tochter Mitglied in einem Reitclub war, von wo er sie des öfteren abholte. Dabei machte er einige Male doch recht merkwürdige Beobachtungen, die er mir nicht vorenthalten wollte und die mich so aufhorchen ließen, dass ich nachzuforschen begann. Bei meinen Recherchen erhielt ich schließlich nach langem Drängen von einem Beamten den entscheidenden Hinweis, dass … Nun, mehr möchte ich verraten.
Da ich selbst in einem Ort mit mehreren Reitställen und –höfen wohne, sah ich darin eine gute Gelegenheit, aus der mir erzählten Geschichte einen Krimi zu machen. Vor allem inspiriert haben mich dabei die Menschen, die in meiner Umgebung leben, bisweilen recht skurrile Typen.
Die Handlung selbst ist kurz geschildert: Es geht um ein fünfzehnjähriges Mädchen, das plötzlich verschwindet, die Mordkommission wird eingeschaltet, da sich dort auch die Vermisstenstelle befindet.
Als ich den Roman zu schreiben begann, musste jedoch ein Problem bewältigt werden – 2001 gab es eine sogenannte Gebietsreform, d.h. die Frankfurter Kriminalpolizei war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für Fälle außerhalb Frankfurts zuständig. Da aber Frank Hellmer, der Kollege von Julia Durant, seit ein paar Jahren in meiner Nachbarschaft wohnt (natürlich nur fiktiv) und die Menschen hier einigermaßen kennt (was gar nicht so einfach ist für einen Zugezogenen, worauf ich später noch zu sprechen kommen werde), konnte er leicht begründen, weshalb es besser wäre, wenn die Frankfurter anstelle der Wiesbadener Kripo den Fall übernehmen würde.
Die Wiesbadener Kollegen haben keine Einwände, also nehmen meine Kommissare die Ermittlungen auf und stoßen dabei auf eine sehr verschlossene Gesellschaft. Dazu muss betont werden, dass auch ich mit meiner Familie erst 1994 nach Hattersheim-Okriftel gezogen bin und diese Verschlossenheit vornehmlich in meinem Viertel – sinnigerweise das Dichterviertel – bis zu meinem Umzug im Mai 2007 am eigenen Leib erleben durfte.
Und Julia Durant und Frank Hellmer merken sehr schnell, wie „kauzig“ und unnahbar viele der Bewohner sind, noch kauziger und unnahbarer, als Hellmer es ohnehin schon kannte.
Die Beschreibung der Gegend, in der ich wohne, ist absolut authentisch, angefangen bei Leuten, die den Rinnstein oder den Rasen saugen, bis hin zu solchen, die den schönsten Baum im Viertel, einen in meinem ehemaligen Garten stehenden Silberahorn, am liebsten gefällt sehen möchten, da er ja im Herbst seine herrliche Blätterpracht verliert – wie alle Laubbäume das zu tun pflegen – und damit den Bürgersteig und den einen oder anderen Vorgarten oder Garten „verunreinigt“. Mittlerweile fiel der Baum der Axt der neuen Eigentümer zum Opfer.
All diese Beschreibungen sind mit in den Roman eingeflossen, über manches werden Sie verwundert den Kopf schütteln, manchmal werden Sie auch lachen, aber im Wesentlichen konzentriere ich mich auf die Krimihandlung, die sehr spannend, sehr düster, aber auch sehr traurig ist.
Und mehr wird jetzt nicht verraten, lassen Sie sich einfach überraschen.
Ach ja, eins noch: Als der Roman längst geschrieben war, erfuhr ich aus der Zeitung, dass Okriftel im Jahr 2003 sein 900jähriges Jubiläum feierte. Zufall oder Fügung?
Textupdate 02/2009

