Der Finger Gottes

Knaur TB, 1997
429 Seiten, € 8,90

Der Finger Gottes

Klappentext
Waldstein, eine kleine Stadt in Oberfranken. Auf den ersten Blick ein Ort wie tausend andere. Doch etwas ist anders in Waldstein: Seit die Bewohner zurückdenken können, wird die Stadt von der mächtigen Familie Vandenberg beherrscht. Ihr Geld und ihr Einfluss reichen weit und haben schon so manchen Menschen vernichtet. Als die alte Maria Olsen stirbt, stößt der Polizist Brackmann unvermutet auf ein düsteres Geheimnis, das seit Jahren verborgen schien und bei dem die Vandenbergs wieder einmal ihre Finger im Spiel hatten.

Making of
Da ich fast dreizehn Jahre in einer Kleinstadt in Oberfranken gelebt habe und auch später dann und wann noch einmal dort war, fasste ich an Weihnachten 1985 den Entschluß, einen Roman über einen fiktiven Ort in dieser Gegend zwischen Hof und Bayreuth zu schreiben. Die Geschichte spielt in einem Marktflecken namens Waldstein hauptsächlich während eines Zeitraums von vierundzwanzig Stunden. Eine furchtbare Hitzewelle liegt über dem Land, dennoch geht alles seinen gewohnten Gang. Jeder kennt jeden, in dem kleinen Polizeirevier gibt es kaum Arbeit. Dann stirbt eine der angesehensten Frauen des Ortes und hinterlässt mehrere Briefe, darunter einen für den Polizisten Brackmann, in welchem sie ihm mitteilt, dass vor einigen Jahren ein Mann in Waldstein ermordet wurde. Ein dunkler Schatten liegt mit einem Mal über dem Ort, und als auch noch ein verheerendes Unwetter apokalytischen Ausmaßes in der folgenden Nacht schwerste Verwüstungen anrichtet, ist endgültig nichts mehr so, wie es noch vor wenigen Stunden war.

Mit „Der Finger Gottes“ will ich zeigen, dass Menschen nicht nur zu allem fähig sind, sondern dass sie sich selbst nach einer schweren Naturkatastrophe oder einem anderen Desaster nicht ändern. Am Ende geht alles wieder seinen gewohnten Gang.

Ein geradezu klassisches Beispiel dafür ist für mich der 11. September 2001, nach dem es hieß, die Welt würde ab sofort nie mehr so sein, wie vor dem Anschlag. Man beteuerte, Katastrophenfilme würden vorläufig nicht mehr gedreht, doch schon wenige Wochen später begannen die Studios mit noch aufwendigeren Mitteln eben solche Filme zu drehen, wobei geradezu absurde Ausreden verwendet wurden, weshalb man es tat, ja man drehte sogar einen sogenannten ‚dokumentarischen’ Film über dieses Ereignis.

Im Angesicht einer Katastrophe, welcher Art auch immer, sind Menschen bereit, alles zu versprechen, doch wie lange halten diese Versprechen? Irgendwann, meist schon sehr früh, kehrt wieder der ganz normale Alltag ein und alles bleibt wie es ist und immer war.

Irgendwann werde ich dieses Buch überarbeiten, denn es ist und wird es – unter allen Büchern, die bisher veröffentlicht wurden – immer bleiben — mein Lieblingsbuch.

Natürlich tanzt es weit aus der Reihe meiner üblichen Thriller, aber vielleicht mag ich es gerade deshalb besonders gern. Und vielleicht auch deswegen, weil es mein erstes Buch überhaupt war, das ich geschrieben habe.

Und in den vergangenen Sommern haben auch wir in Deutschland gemerkt, dass die Fiktion von der Realität eingeholt wurde, wenn man bedenkt, wie viele verheerende Unwetter, darunter auch einige Tornados über fast allen Teilen des Landes gewütet haben. Der Klimawandel macht sich bemerkbar, und hat man vor über zwanzig Jahren noch gedacht, Tornados in Deutschland würde es nur äußerst selten geben, so wurden wir in den letzten Jahren doch eines Besseren belehrt.

Textupdate 02/2009

 
Copyright © Andreas Franz