Knaur TB, September 2002
640 Seiten, € 8,95

Klappentext
An einem heißen Juniwochenende werden in einer Frankfurter Wohnung die unbekleideten Leichen von Andreas Wiesner und der Edelprostituierten Irina Puschkin gefunden. Offenbar hat Wiesner erst seine Geliebte und dann sich selbst durch Kopfschuss umgebracht. Doch Kommissarin Julia Durant zweifelt an dieser Version des Tathergangs. Sie nimmt die Ermittlungen auf und gerät bald in den Dschungel des organisierten Verbrechens.
Making of
Da ich mich schon seit vielen Jahren mit den Strukturen des organisierten Verbrechens beschäftige und reichlich Informationen über die Vorgehensweise dieser Banden erhalten habe, entschied ich mich, einen Roman darüber zu schreiben, wobei ein Großteil der darin beschriebenen Dinge nicht etwa bloße Fiktion ist, sondern leider einer brutalen Realität entspricht. Das organisierte Verbrechen ist längst nicht mehr die zum Teil verherrlichte Mafia oder Cosa Nostra, es sind nicht mehr die Kriege konkurrierender Banden, das organisierte Verbrechen ist in den letzten Jahren, vor allem seit dem Fall des eisernen Vorhangs, zu einem weltweit verwobenen Netz geworden, zu dem die italienische Mafia (speziell Camorra, Ndrangheta und in den USA die Cosa Nostra) ebenso gehört wie das kolumbianische Drogenkartell, die zahlreichen osteuropäischen Mafiaorganisationen, die chinesischen Triaden, die japanische Yakuza etc.
Was wir so oft in der Zeitung lesen oder im TV sehen, wenn Drogendealer oder Zuhälter sich bekriegen, hat nur auf der untersten Ebene mit der OK – organisierte Kriminalität – zu tun. Die oberste Ebene besteht aus Politikern, Wirtschaftsmagnaten, Finanzoligarchen, Bankiers, aber auch hochrangigen Beamten der Nachrichtendienste. Mittlerweile gibt es sogar eine Kooperation der global operierenden Organisationen, so werden zum Beispiel Drogen in großem Stil von Südamerika, hauptsächlich Kolumbien, über das in sich zerfallene Russland nach Westeuropa gebracht, oftmals nicht nur mit Billigung, sondern sogar im Auftrag ‚angesehener’ und ‚honoriger’ Mitglieder unserer Gesellschaft, die eigentlich dazu da sind, uns vor diesen Verbrechern zu schützen, in Wirklichkeit aber mit ihnen gemeinsame Sache machen. Waffen werden mit Billigung von Politikern verschoben, Waffenhändlern, die angeblich vor dem Gesetz abgetaucht sind, wurde eine ganz offizielle andere Identität verliehen … Nun, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Nachdem ich nicht nur einige einschlägige Sachbücher dazu gelesen, sondern auch mit Beamten, die im Bereich organisierte Kriminalität tätig sind, gesprochen habe, die aber eigenen Aussagen zufolge häufig machtlos dem organisierten Verbrechen gegenüberstehen, habe ich mich entschlossen, einen Roman darüber zu schreiben, wie diese Banden arbeiten und dass auch immer häufiger unbescholtene Geschäftsleute und Unternehmer auf die hinterhältigen Machenschaften dieser Verbrecher hereinfallen.
Das organisierte Verbrechen vermehrt sein Billionen-Dollar-Vermögen!!! zu einem großen Teil aus den Einnahmenquellen Drogen-, Waffen- und Menschenhandel, Prostitution, Kinderprostitution und -pornographie etc., aber letztendlich im Wesentlichen durch Geldwäsche, indem die schmutzigen Gelder von vorgeblich seriösen Banken über viele Umwege gewaschen und gewinnbringend in Aktien, Unternehmen, Immobilien, Grundstücke etc. investiert werden. Aber die OK würde nicht funktionieren, hätte man nicht die Politik auf seiner Seite, Männer und Frauen, die sich kaufen lassen und denen man nicht anmerkt, wie tief sie in kriminelle Aktivitäten verstrickt sind. Das organisierte Verbrechen hat sich längst Spitzenpositionen in Regierungen erkauft oder erpresst, und das unbemerkt von der Öffentlichkeit.
Für manch einen mag sich der Roman wie der eines Anhängers von Verschwörungstheorien lesen, doch die darin geschilderten Vorfälle passieren so oder ähnlich täglich nicht nur in unserem Land, sondern auf der ganzen Welt.
Das organisierte Verbrechen ist mitten unter uns und doch für die meisten unsichtbar, wie eine Spinne, deren Netz man zwar sieht, aber nicht die Spinne, die es gewebt hat. Und das macht es so gefährlich.
Selbstverständlich ist es kein Sachbuch, jedoch ein mit Fakten gespickter Roman, wobei es natürlich jedem selbst überlassen bleibt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich bin aufgrund der Brisanz des Inhalts von meinem Verlag gebeten worden, ein Nachwort zu schreiben, ein Wunsch, dem ich gerne nachgekommen bin.
Textupdate 02/2009

